Erkenntnisse aus der Schmerztherapie!

Nicht alle Fitnessangebote müssen unbedingt angenehm sein. citysports.de-Redakteurin Anne Nyhuis hat EMS-Training im Aspria - der Club für Spa + Sport in Hannover, ausprobiert.

EMS bedeutet Elektromyostimulation. Früher wurde nur der Schmerz damit behandelt, heute werden auch Muskeln durch einen Stromimpuls trainiert. Der Stromimpuls aktiviert bzw. kontrahiert dabei die Muskeln. Aspria-Personal-Trainerin Ute Weerts möchte mit mir das Training mit EMS testen. Die EMS-Methode hat sich in vielen Fitnessstudios bereits etabliert. Die Aspria Clubs in Hannover, Hamburg und Berlin bieten das spezielle Elektrotraining an.

Klassische Sportbekleidung ist bei diesem Training allerdings nicht gefragt: „Für das EMS-Training benötigen Sie spezielle Wäsche, die gößtenteils aus Baumwolle besteht, damit der Strom besser leitet“, so Ute Weerts. Die 31-Jährige hat eine Spezial-Schulung des EMS-Anbieters miha bodytec absol- viert. So kann sie das miha bodytec Gerät bedienen und ein professionelles Trainingsprogramm für die Nutzer erarbeiten.

Gesundheit geht vor

„Am Anfang müssen wir einen Gesundheitskatalog durchgehen, um alle eventuellen Risiken Kontraindikationen auszuschließen - bei ärztlicher Bescheinigung darf in Ausnahmen trainiert werden“, erklärt die Aspria-Mitarbeiterin. 18 Punkte werden abgefragt, sei es Herz-Rhythmusstörungen, Bandscheibenvorfall, Thrombosen, chirurgische Eingriffe, Schwangerschaft oder spezielle Verhütungsmethoden wie die Spirale. An dem letzten Punkt scheitere ich, bevor es überhaupt losgegangen ist. Der Sicherheitsaspekt geht vor dem Selbstversuch. Ute Weerts muss sich darauf beschränken, mir das EMS-Training verbal zu erklären.

Muskeln werden durch Strom bewegt

Ein kleiner Kasten, so groß wie ein Laptop auf einer Stange mit zehn kleinen und zwei großen Drehknöpfen ist alles, was sich dahinter verbirgt. Unvor- stellbar, dass dieses Gerät mit Weste, Unterwäsche und Schulung an die 10.000,- Euro kosten kann. Elektroden an den Hauptmuskelgruppen der Arme, Beine, Po, Seiten, Rücken Bauch und Brust sind an der Jacke befestigt und werden mit dem Gerät verbunden. Die Stromimpulse sind mit den Reglern unterschiedlich stark, sowie auf die einzelnen Muskelpartien einstellbar. Der Impuls geht direkt auf den Muskel und bewegt diesen. „Am Anfang sollte man den Impuls niedrig einstellen, damit der Körper sich daran gewöhnt.“

Das Strom-Gefühl

„Das Strom-Gefühl ist im ersten Moment etwas abschreckend, vor allem sind die Arme empfindlich; doch man gewöhnt sich schnell daran“, erklärt mir die Personal-Trainerin und rät, immer zwei Trainingstermine zu vereinbaren, um festzustellen, ob EMS einem Spaß bringt. 

Vier unterschiedliche Programme

Auf die Programme Body-Relax, Ausdauer, Kraft und Abnehmen ist das Gerät einstellbar. Je nachdem welches Ziel man verfolgt, ist der Stromimpuls unter- schiedlich stark. Die meisten Nutzer wollen Kraft aufbauen. Bei diesem Programm wechselt der Stromreiz in einem vier Sekunden-Intervall mit einer Pause. Wenn es blau leuchtet, fließt Strom. Ist das Display dunkel, heißt es durchatmen. Ist es einem zu wenig, dreht man einfach am Rädchen bis die Schmerzgrenze erreicht ist. Eine Einheit dauert zwischen 10 und 20 Minuten.

Einfach anlegen, rumstehen und die Muskeln zucken lassen, ist möglich, aber so ist das EMS-Training nicht gedacht. Es werden gleichzeitig Übungen aus dem typischen Bauch, Beine-Po-Kurs durchgeführt. Auch verkabelt auf einem Indoor-Cycling-Rad oder Crosstrainer zu trainieren, ist machbar. Die aktive Sportlerin ist besonders vom Body-Relax- Programm überzeugt. „Das ist Massage pur“, weiß sie aus eigener Erfahrung.

EMS kommt aus der Schmerztherapie

Die Erkenntnisse aus der Schmerztherapie, bekannt unter transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS), bilden die Grundlage für das EMS-Trainingskonzept. Deshalb nutzen auch verletzte Sportler die EMS-Trainings- methode, um Muskeln gelenkschonend wieder aufzubauen. Die Vorteile: Alle Muskeln werden in kurzer Zeit gleichzeitig trainiert.

Studien belgen Wirksamkeit von EMS-Training

Studien von Boeckh-Behrens/Vatter (2003) belegen die positive Wirksamkeit der EMS-Trainingsmethode. Eine Untersuchung von Boeckh-Behrens/Treu, (2002) fasst es wie folgt zusammen: „Das Elektromuskelstimulationstraining (...) aktiviert einen Großteil der Muskulatur sehr intensiv. (...) Mit einem geringen Zeitaufwand von insgesamt ca. 30 Minuten pro Trainingseinheit (können) sowohl die Körperformung sehr positiv gefördert werden als auch therapeutische erreicht werden.“ *

Ein Aspria-Mitglied bleibt stehen und schaut uns interessiert zu. „Viele fragen nach, was das ist“, so Ute Weerts. Ob man dann nach dem ersten Training dabei bleibt, entscheidet auch der Geldbeutel. Eine Einheit kostet rund 20,- Euro. Der Preis ergibt sich aus den Kosten des Gerätes, der Kleidung sowie dem Personal-Trainer, der den Aktiven betreut. „Anfangs haben wir unsere Kunden nach dem vierten Mal allein an das Gerät gelassen, es verführt einfach zum spielen.“ Jetzt dürfen Mitglieder ausschließlich mit einem Personal-Trainer an das Gerät. Ob sie denn mal jemand beim EMS-Training geärgert hat? „Ich muss doch die Leute bei Laune halten“, lacht Aspria-Personal-Trainerin Ute Weerts.

EMS-Training: Selbst ausprobieren!

Ob ich Spaß an dem Training hätte, wage ich zu bezweifeln. Nichts kann den Sport an der frischen Luft, in der Natur ersetzen. Als zusätzliches Training ist EMS zu empfehlen, weil der Impuls auch tiefer gelegene Muskeln aktiviert. Der Gedanke, dass die Muskeln von außen mit Strom bewegt werden, behagt mir noch immer nicht. Gefährlich sind die Elektroimpulse jedoch nicht. Zudem gibt es zurzeit kein besseres Ganzkörpertraining, dass alle Muskeln in kurzer Zeit gleichzeitig trainiert. EMS-Training könnte seinen Platz im Gesundheits-, Leistungs- und vielleicht auch im Alterssport festigen. Am besten selbst auprobieren!

*Eine Studienübersicht finden sie hier.

Reportage: citysports.de, Anne Nyhuis, April 2011