Kyudo

Kyudo (jap.) / Bogenschießen, die Kunst des Bogenschiessens ist fast so alt, wie die Menschheit. Der Bogen übertraf in Wirkung und Reichweite Schwert und Speer und sandte den Tod aus der Ferne, ohne dass der Schütze sich zu zeigen brauchte_ Seit frühesten Menschheitstagen diente der Bogen aber nicht nur als Jagd- und Kriegswaffe - die angerissene Sehne führte auch zur Entstehung von Zupf- und Saiten-Instrumenten.

Die japanische Variante des Bogenschießens, das heutige Kyudo (Kyu = Bogen, Do = Weg) beinhaltet nahezu alles, was im Laufe der Geschichte bei der Auseinandersetzung des Menschen mit dem „gefiederten Tod" entstand: Zeremonielle Formen, Beschwörungstechniken, eine spezielle Bogenschießtechnik und -bauweise sowie schließlich die ästhetische und philosophische Überformung mit Gedanken des Shinto und Zen. Kyudo, ursprünglich eine todbringende Kriegskunst, dient heute dem Kampf gegen sich selbst. Ruhe und Ausgeglichenheit sind die unabdingbaren Voraussetzungen für richtiges Schießen und Treffen. Wenn die Spannung des Bogens am stärksten ist, muss die innere Ruhe des Schützen am größten sein!

Die ersten Darstellungen des asymmetrischen Kyudo-Bogens mit seinem Verhältnis von oben 2 zu unten 1 finden sich bereits auf Bronzen aus dem 3. Jahrhundert. Auch in dem chinesischen Geschichtsbuch „Gi-Shin-Toi-Dan" (das etwa zur gleichen Zeit entstand) steht, dass die Leute des Landes Wa (Japan) solche Bögen benutzten. Während der Kofun-Zeit (300- 645 n. Chr.) wird dieser Bogen sowohl als Jagdwaffe benutzt als auch den Göttern als heiliges Symbol der Stärke dargebracht. Aus dieser Zeit wird berichtet, dass Mutoku Tenno einen eisernen Schild erhielt, der jedoch von einem japanischen Pfeil durchbohrt wurde.

Unter dem Einfluss des konfuzianistischen China während der HakuhoZeit (645 - 710 n. Chr.) wird das Bogenschießen in die höfischen Sitten eingeführt und bei verschiedenen Zeremonien benutzt. Konfuzius: Ein erfolgreicher Bogenschütze muss ein Mann von Tugend sein! Diese Periode Japans folgte auf die Zeit der Einführung des Buddhismus durch den Prinzen Shotoku Taishi (574 - 622 n. Chr.). Er gilt als der Gründer der ersten japanischen Bogenschieß-Schule, der , TaishiRyu".

Einige andere, später gegründete Bogenschießschulen, wie die „Heki-Ryu", die „Ogasawara-Ryu" und die „Honda-Ryu", blieben bis heute bestehen. Die Entstehung solcher „Ryu" (jap. = Schulen) hatte ihre

Ursache darin, dass Japan lange Zeit in viele kleine autonome Gebiete zersplittert war. Jeder Gebietsfürst hatte seine eigene Streitmacht und benötigte Experten zur Ausbildung seiner Krieger. Hatte ein besonders guter Fechter oder Schütze viele Schlachten überlebt, war er als Waffenmeister prädestiniert und konnte seine eigene hoch entwickelte Technik bzw. seinen Kampfstil als „Ryu" (meist unter Voranstellung seines Namens) weitergeben.

In dieser Zeit war die hohe Verehrung, die man „alten Meistern" entgegenbrachte, sehr einleuchtend: Wer viele Gefechte gewonnen, d.h. überlebt hatte, musste wohl weise sein. Ein wahrer Meister, frei von Zweifel und Angst, hat keine Feinde mehr und erreicht den Zustand des Friedens..,Yumi no kokoro" (der durch das Bogenschießen geborene Geist) wird dann wichtiger als das Treffen des Pfeils.

Nach dem zweiten Weltkrieg vereinigten sich die Kyudo-Schützen im „Zen-Nihon-Kyudo-Renmei", dem alljapanischen Kyudo-Verband. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Einzelwettbewerben und Mannschaftskämpfen in Japan und Europa. Es wird auf das in 28 m Entfernung aufgestellte „O-Mato" oder auf das 60 m entfernte„ Enteki-Mato" geschossen. Neben dem Zielschießen wird zu bestimmten Anlässen auch ein „Zeremonieschießen" ausgeführt. Anfänger schießen zunächst auf das „Makiwara", eine Strohrolle.

Man unterscheidet Scheibenpfeile, Kriegspfeile und Brandpfeile, die beim „Hanare", dem Auslösen des Schusses davonfliegen, während der Schütze noch voller Konzentration beim „Zanshin" das Zurückkehren der Gedanken erfährt. Nähere Einzelheiten über die Kunst des japanischen Bogenschiessens finden Sie in dem Buch „Kyudo", erschienen im gleichen Verlag.

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